Sonntag, 7. September 2008

Umzug

Auch ich bin empört über twodays stille neue Werbemasche (nach Googlesuche erscheinen Werbeeinblendungen) und habe mich deshalb kurzerhand entschlossen, ebenfalls umzuziehen. Passt auch zeitlich gesehen. In meinen Leben bin ich bereits zehn Mal umgezogen und das meist im Zweijahres-Rhythmus.

Einiges werde ich einpacken, Anderes recycle ich.

Wehmut ist dabei, aber auch Vorfreude.

Meine neue Anschrift lautet:

www.natriummuriaticum.wordpress.com

Der Plumpsack geht 'rum

Heute waren wir auf einem Geburtstag und ich fand mich in der Rolle der Animateurin wieder. Ich habe tatsächlich bewiesen, dass ich als Lehrerin auf der Motivationsschiene tauge. Wir standen zu ungefähr acht im Kreis in einem Garten und unterhielten uns schleppend. D.h. wir warfen uns gegenseitig irgendwelche plumpen Witzchen zu und wo wir schon bei dem plump waren, fragte ich in die Runde wer denn noch den guten alten 'Plumpsack' kennen würde. Schon war das Gelächter groß, die Nostalgie ausgegraben und die Diskussion um die richtigen Regeln im Gange. Dann hielt ich, die Freundin der Taten, die Aktionärin auch schon eine plumpsäckische Requisite in Form eines Federballs in die Höhe und drückte sie jemandem zum Spielbeginn in die Hand. Und ja eine Gruppe Erwachsener rannte darauf wahrhaftig singend 'Der Plumpsack geht 'rum, der Plumpsack geht rum und wer sich umdreht oder lacht, der kriegt eins aufen Puckel gemacht, der Plumpsack geht 'rum' abwechselnd hinter dem Plumpsackwerfer im Kreis herum. Aber es waren auch Kinder anwesend. Dies mag die Situation ein klein wenig neutralisieren. Jedenfalls wollte ich dem Plumpsack seinen Partyplatz mit dieser Erwähnung und auch Lobhudelei zurückgeben. Es eignet sich wirklich hervorragend zur Lockerung aller Muskeln. Und das Gefühl man zeigt einem (heimlichen) Schwarm mit dem permanenten Plumpsackfangen die Zuneigung, ist sicher als erste Annäherung ideal für den einen oder anderen Schüchternen. Der Plumpsack ist ein Fangspiel, welches zumindest die Kinder und ich komplett alkoholfrei gespielt haben. Die anderen erwachsenen Teilnehmer tranken passend zum Plumpsack Grashüpfer. Wobei bei diesem Gebräu Sackhüpfen dem Namen eigentlich treuer gewesen wäre. Auf was für Feiern ich mich herumtreibe? Nun, Familie. Nur Familie, da kann das schonmal vorkommen. Die meisten kenne ich doch gar nicht. Die wirklich plumpe Alternative zum Plumpsack wäre nämlich ausschließlich Grashüpfer (u.a.) gewesen, da sorgte doch mein Programmpunkt für Konzentration, Spannung, Spaß und Fitness. Dies sind Freuden fürs Hirn, den Körper, Geist und die Seele. Förderung des gesamten Menschen. Eine ayurvedische Sitzung ist nichts dagegen.

Freitag, 5. September 2008

Im Hallenbad

Soeben sind wir vom Schwimmen gekommen. Mein großer Sohn und ich. Herrlich wars. Schade, dass ich meist zu faul fürs kühle Nass bin. Heute ist deshalb wieder so ein Tag an dem ich große Reden auf die notwendige Fitness und Kondition schwingen kann. Ich war ja tätig. Danach fühle ich mich wirklich immer fast überschnappend. Wie eine Nixe glitt ich durchs Wasser und gelobte mir dieses Becken wöchentlich zu durchschwimmen. Dass ich vor Übereifer halb kollabierte und ohnmächtig auf die Steine geknallt wäre, verdränge ich jetzt. Vielleicht war es aber auch von dem Uringeruch, der mir auf der einen Seite des Beckens immer in die Nase stieß. Bis an den äußersten Rand schwamm ich dann schon gar nicht mehr, denn dort schien mir die Konzentration am stärksten gewesen zu sein. Drei Männer sind auch noch zu erwähnen. Einer ließ sich von den Wellen, die die Wassergymnastiker erzeugten in seiner vollen Fleischespracht wie ein Walross treiben und machte keinen Hehl daraus, dass er mich unentwegt anstarrte. Der nächste war scheinbar ein Vater, der mit seinen Töchtern Wasserball spielte. Dieser verstand es unglaublich fade Possen zu reißen und sich darüber noch lauthals giggelnd auszuschütten. Herr Nummer Drei hatte wohl ernste Absichten mich kennenzulernen. Seine Blicke wirkten schon beinahe wie Blitze. Natürlich vermied ich es ihm schöne Augen zu machen, doch ertappte ich mich dabei, wie ich auf dem Weg zum WC bewusst darauf achtete, nicht wie eine Stockente zu watscheln. Ja mich verwirrte dieses Spiel, überlegte ich doch bereits wie ich ihm schonend einen Korb geben sollte. Aber es tat auch gut. Attraktiv zu wirken.
Nun, wie ich vernahm, hatte mein Sohn ebenfalls ein Mädchen gesichtet. Als ich ihn beobachtete ist mir sein jetzt schon sehr ansehnliches Kreuz aufgefallen. Mit zunehmender Reife wird sich daraus wohl ein stattlicher Kerl entwickeln. Ich hoffe aber doch ein ehrenhafter. Für unsere Bindung ist so ein gemeinsamer Ausflug jedenfalls wichtig, aber nicht mehr von derart wie vor ein paar Jahren. Mit zehn kann man ein paar Stunden mit Erwachsenen verbringen, aber der Hauptteil des Tages gehört Gleichaltrigen. Zum Schluß noch schnell über eine Frau, die im Wasser, im Badeanzug so unscheinbar aussah, dass ich fast aus den Latschen gekippt bin, als ich diese im angekleideten Zustand wiedergesehen habe. Sie war kein bunter Vogel, aber hatte einen wunderbar abgestimmten Kleidungsstil, der sie richtig aufblühen ließ. Im Gegensatz zu dem Herrn Nummer Drei- der ließ mich bekleidet nicht mehr aufgeregt flanieren.

Grammatikalisches Autopilothirn

Liebe A.,
für mich kommt Originalität durch den Bauch. Ich schalte mein Hirn quasi auf Autopilot und schwebe mit dem Gefühl, welches mich zum Schreiben ermuntert hat, los. Oft ohne das Ziel zu kennen. Dies schafft Authentizität, denn Gefühle, wenn man sie spürt, sind immer echt und positiv.
Also keine Kunst. Goethe intus dient dabei lediglich als qualitativ hochwertigerer Autopilot.

Donnerstag, 4. September 2008

Pre-Pubertät

Mein Sohn ja. Mein Sohn ist jetzt schon zehn. Der ältere von meinen beiden Söhnen, versteht sich.
Es wird nun immer wieder deutlich, dass es an der Zeit ist, ihm unseren Haushalt vertraut zu machen.
So standen wir vorhin vor der Spülmaschine und ich demonstrierte ihm, wie diese mit dem Reiniger zu füllen sei. Natürlich ist die Reaktion immer die gleiche auf solch informative Erläuterungen- er versucht sich mit einem Verständnis heischenden Jaja flink in sein Zimmer zu verziehen, um alle Anweisungen schnurstracks wieder aus dem anderen Ohr heraus zu lassen. Hinterher muss man dann mindestens dreimal an diese Abmachungen erinnern oder gar erneut erklären, wie etwas funktioniert. Was erzähle ich, dass wird wohl dem einen oder anderen nicht völlig unbekannt sein.
Jedenfalls beugte ich mich eben über die Spülmaschine, ließ das Pulver einrieseln und kündigte den nächsten Vorgang an. Diesen sollte mein Sohn, der Zehnjährige übernehmen. Ich sagte, gleich müsse er nur noch die Spülmaschine einschalten und was antwortete er in einer ironisch, fast schon unverschämt sich belustigenden Weise?
"Uiuiui, gleich darf ich DEN Knopf drücken!"
Natürlich habe ich darüber gelacht, wir lachten gemeinsam über dieses ehrwürdige Ereignis. Doch eigentlich stimmte mich dieser Gebrauch von Ironie meines doch vor kurzem erst an meiner Brust nuckelnden, in die Windeln kackenden, nach Worte ringenden 'Babys' sehr nostalgisch.

Mittwoch, 3. September 2008

Prokrastination pilzefindend

Das Wintersemester beginnt nun schon bald und bei mir stehen noch Textarbeiten vom alten Semester an. Progressive Universalpoesie, TTV helfen Sie mir? Wie immer nehme ich mir vor, zeitig anzufangen, doch hin bekomme ich es so gut wie nie.

Denn ich habe schlichtweg lauter überlebenswichtige Dinge zu tun. An erster Stelle steht Einkaufen. Es vergeht bald kein Tag an dem ich nicht in irgendeinem Laden herumflaniere. Kosmetik? Handtaschen? Achwo. Nahrungsmittel, Haushaltswaren, Spielzeug, immer auf der Suche nach qualitativ hochwertigen, aber günstigen Utensilien. Und natürlich treffe ich vormittags zu meiner Hauptzeit fast nur Frauen an. Das ist das Pilzefinden-Gen. Morgens hinaus, damit das Tageslicht einem die besten Pilzquartiere leuchtet, ausgestattet mit einem Korb, der meist viel zu klein ist, werden Pilz für Pilz beäugt, angefasst, nach dem Pflücken im Sonnenlicht nach links und rechts gedreht, daran gerochen und schlussendlich für sammelbar empfunden. Oder auch nicht. Manchmal müssen ein paar Pilze kurz vorm Verlassen des Waldes noch aus dem Korb weichen. Und dann dieses Kribbeln in den Händen, die Freude und Vorfreude. So schöne Pilze! Und Bärlauch und Brombeeren. Jetzt rattert es im Kopf. Wozu brauche ich einen ganzen Korb voller Waldchampignons? Die Brombeeren koche ich zu Marmelade. Der Bärlauch wird vorerst schockgefroren. Aber diese vielen Pilze? Gut, ein Teil dient für eine leckere Soße an Pasta und ein anderer kommt frisch und roh in den Salat und der Rest? Eine Woche Pilzgerichte? So ist es doch immer. Betritt man den Laden mit einem imaginären Einkaufszettel auf dem Pilze steht, verlässt man den Laden noch mit mindestens drei,vier anderen Waren, die mehr glänzen. Pilze sind out, Rucola in. Naja in diesem Fall lässt sich beides doch noch ganz gut verbinden. Warum aber jeden Tag Pilzefinden? Vermutlich liegt der tägliche Einkauf in erster Linie daran, dass wir keine Kühe mehr zuhaus haben. Mit H-Milch braucht mir nämlich niemand kommen. Früher beim Milchbauern über zehn Felder lockte nicht hier noch eine kleine Annehmlichkeit, da noch eine Nettigkeit... Vielleicht mal die ersten Frühkartoffeln, aber die dienten ja wirklich der nahrhaften Sättigung und nicht der Befriedigung des mutierten Pilzfinde-Gens in Form von Ü-Eiern. Wenn man heute in einem Hofladen steht, springen einem irgendwelche Schokoriegel ins Gesicht und betteln unaufhörlich ums Pflücken. So Kandidaten wie ich griffen dann natürlich zu und zum Vorschein kam ein armer, alter Riegel mit weißer Schicht über der Schokolade. Über dem Verfallsdatum und sie verscheuerns noch (sicher bewußt) an gierige Pilzefinderinnen. Bioökolandbauleute sind geizig. Stichwort Bio: Sogar Tchibo, dieser Ausbeuterschuppen versucht neuerdings durch BIO sein Image aufzupolieren. Nicht zu fassen. Und auch der Penny hier um die Ecke verkauft schon Fair-Trade-Ware. Da steht man dann vor dem Regal und hat die Wahl, ob fairer, pestizidverseuchter Honig oder unfairer, Organic-Honig. Beides zusammen ist dem Penny dann doch zu teuer. Oder dem Kunden. Übrigens wie war das mit den gelockerten EU-Richtlinien für den Einsatz von noch mehr Pestiziden beim Gemüse/Obst, M.?
Ein anderer Grund meines Kaufrausches Tag für Tag scheint wohl noch die Ablenkung zu sein. Freunde haben selten Zeit oder wohnen zu weit weg für einen Vormittagsbesuch, Kurse sind zu teuer oder bescheuert, aber daheim kriegt man den Kinderkoller, weil Herr Sohn Bewegung braucht, also Sortimentsstudieren im Wald. Hat er was von und ich. Bilde ich mir jedenfalls ein. Achso Spielplätze, Schwimmbäder und Waldspaziergänge habe ich nicht vergessen, mache ich zugenüge. Standardrepertoire. Doch in Wahrheit will ich doch nie Pilze finden! Ich bin einsam, ja das ist es. Ich brauche Menschen um mich herum. Erwachsene Menschen. Deshalb fahre ich auch öfters zu Ikea. Da gibt es viele davon. Letztens erst frühstückte ich mit meinem jüngsten Sohn dort. Wir platzierten uns an einen großen, runden Tisch, mein Sohn verzog sich eilends und freudig in die vor Kindern wimmelnde Spielecke und zu mir gesellte sich eine Dame mittleren Alters. Mei wie im Film! Wir aßen und plauderten. Ganz unverbindlich, ungezwungen. Gesellig. Ohne Hast, mal floskelnwerfend, mal tiefgründig und der beste Satz, der mir über die Lippen kam war:
"Die Kunst beim Einkaufen ist die, an der Kasse so wenig wie möglich im Wagen zu haben!"
?

Nun, jetzt habe ich meine rare Zeit wieder mit so einem selbstmörderischen Spiegel vergeudet, dass ich jetzt vor lauter Grübelei, ob ich mal wieder eine Therapie brauche, auch nicht mehr über progressive Universalpoesie sinnieren kann. Im Grunde jedoch ist diese Schlegelsche Theorie wandel- und fast überall einsetzbar. Man stelle sich mich als unverblümtes Mädchen mit Zöpfen pilzefindend im großen, wilden, einsamen Wald vor, dichte sich den tollkühnen Reitersmann dazu oder nein! ich nehme den melancholisch auf seiner Laute spielenden Waldläufer und schwupps hat man ein klassisches Beispiel für diesen literartheoretischen Ausdruck. Hey, könnte das wohl auch als (Einstieg in einem) Essay durchgehen?

Dienstag, 2. September 2008

~

Eine Fehlgeburt ist wie ein Wecker in eingeschlafenen Beziehungen.

Freitag, 29. August 2008

Elternführerschein

Haben Sie vor, dass Ihr Baby das Licht der Welt in einem grellen, kalten, sterilen Raum erblicken soll?

Haben Sie vor es in einen kleinen, eckigen, toten, gläsernen Kasten mit Schild abzulegen?

Haben Sie vor Ihrem Baby vom ersten Augenblick an Ihre warme, duftende Brust zu verweigern, weil Sie nicht auf Hängebusen stehen?

Haben Sie vor auszuschlafen, während Ihr Baby zu Tode geängstigt neben drei anderen Leidensgenossen brüllt?

Haben Sie vor ihm den Schnuller in den Mund zu stopfen, obwohl es Ihnen sagen möchte, dass es Ihre Nähe braucht?

Haben Sie vor ihm tausend milbenverseuchte Stofftiere als leblose Gesellschaft in sein riesiges, einsames Bett zu legen?

Haben Sie vor sich nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen und Ihr Baby deshalb herzzerreissend weinen lassen wollen?

Haben Sie vor Ihr Baby zum Durchschlafen zu zwingen, nur damit Sie bei genauso Hirnverbrannten prahlen können?

Haben Sie vor es mit ekligen Fertiggläschen zu mästen, nur weil Sie dem Hipp alles glauben und zu faul zum kochen sind?

Haben Sie vor, natürlich wie die Reklame empfiehlt, lieber nach dem sechsten Stillmonat auf Nestlé-Babytöter umzusteigen, weil Ihre Milch ja nicht mehr reicht?

Haben Sie vor Ihr Baby in Esprit zu packen, obwohl es mit steifen Bluejeans und Gesäßtaschen kaum Luft bekommt?

Dann werden sie bloß NIEMALS! Mutter oder Vater!

Donnerstag, 28. August 2008

Karsten Thormaehlen

karstenthormaehlenfoto

Dienstag, 19. August 2008

Langzeitstillen

Die Brust die spannt,
zwickt an ihrem Mutterband:

Sieh hin, hör zu
ich gebe dann erst wieder Ruh'
wenn der warme kleine Mund
gierig saugt die Warze wund.

Bald kommt das Kindchen angelaufen
und will gar immer noch Milch saufen
es schmerzt die Brust nicht mehr
abgehärtet ist sie sehr.

casu

vital-isabelle-de-vous-a-moi-ii

~

sapere aude:

~

in medias res:

commentarius

Ha!
So haben wir uns schon ewig nicht mehr amüsiert,...
magistra - 8. Sep, 15:09
Mann,
was war das für ein Spass !!!
M. (anonym) - 8. Sep, 12:12
Echt?
Hätt ich ja nie im Leben gedacht, dir passierts...
magistra - 5. Sep, 13:19
Schnell
löschen, vielleicht hats ja noch keiner gelesen...
M. (anonym) - 5. Sep, 11:54

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